Mitarbeiterbeteiligung statt Fachkräftemangel

[Nürnberg, 21. Mai 2015] „Fachkräftemangel, nein danke!“. Das war das Motto der 65. Jahrestagung des Bundesverbands Mitarbeiterbeteiligung – AGP am 21. Mai in Nürnberg. Rund 100 Unternehmer und Experten trafen sich im Stammhaus des Veranstaltungspartners Rödl & Partner, um darüber zu sprechen wie Unternehmen durch Mitarbeiterbeteiligung ihre Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen und ihre Mitarbeiter stärker an sich binden können.

Schon im Vorfeld der Tagung hatte der Bayerische Staatsminister Dr. Markus Söder die Bedeutung der Mitarbeiterbeteiligung für die Bindung an das Unternehmen herausgestellt. „Wer für die positive Entwicklung des Unternehmens als Bonus finanziell belohnt wird, engagiert sich mit noch mehr Begeisterung für „sein“ Unternehmen. Das Vorhaben der AGP, die Mitarbeiterbeteiligung auf der Jahrestagung wieder mehr in den Blickpunkt von Politik und Öffentlichkeit zu stellen, ist daher ein sehr sinnvolles und lobenswertes Unterfangen. Auch aus Sicht der Bayerischen Staatsregierung sollten die Voraussetzungen für die Mitarbeiterbeteiligung weiter verbessert werden. Dies gebieten auch die von der AGP immer wieder in den Vordergrund gerückten gesellschaftspolitischen Aspekte, wie die Notwendigkeit der Vermögensbildung breiter Bevölkerungsteile in Deutschland“, so der Minister in seinem Grußwort.

Die Aktualität des Themas Arbeitgeberattraktivität und Mitarbeiterbindung stellte Walter Ernst, 1. Vorsitzender der AGP, gleich in seiner Begrüßung fest. „Gute Mitarbeiter suchen sich heute die Firmen aus, nicht mehr umgekehrt“, so Ernst. Das der Fachkräftemangel vor allem für mittelständische Unternehmen in den ländlichen Regionen eine zunehmende Herausforderung ist, bestätigte der Geschäftsführer der BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft mbH, Peter Pauli. Als Ursache dafür sieht der Autor des Buches „Mythos Fachkräftemangel“, Martin Gaedt, allerdings vielmehr ein selbst verschuldetes Problem der deutschen Unternehmen, denen er eine Menge Nachholbedarf hinsichtlich deren Personalgewinnungsstrategien attestiert. „Wissen Sie, wer sich nicht bei Ihnen bewirbt?“, lautete daher auch seine kritische Frage an die Teilnehmer in Bezug auf deren Kultur, wie sie auf Bewerber zugehen.

Wie man „Personalgewinner“ wird, zeigte der Berater und ehemalige Personalvorstand Jürgen Dolle in seinen Vortrag. Denn Einstellen war gestern. Heute ginge es darum, die Sicht des Bewerbers einzunehmen und für ihn auf authentische Weise unterscheidbar gegenüber anderen Arbeitgebern zu werden. „Mitarbeiterbeteiligung ist ein durchaus geeignetes Kernthema, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren“, so Dolle. Gerade mit Blick auf die jüngere Generation, die immer mehr um ihre Meinung gefragt werden und sich verstärkt einbringen will, sei eine „Mitmachkultur“ besonders zeitgemäß.

Für Dr. Christoph Steinhardt, Geschäftsführer der RST Stahlbau GmbH & Co. KG aus Niederlauer im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld, ist die Mitarbeiterbeteiligung in seinem Betrieb ein wichtiges Abhebungsmerkmal in dieser ländlichen Region. Seit 1984 beteiligt er seine Mitarbeiter als stille Gesellschafter an seinem Unternehmen. „Unsere Mitarbeiterbeteiligung stärkt das Wir-Gefühl und ist ein Signal, dass die Mitarbeiter sich auch ideell beteiligen sollen“, so Steinhardt in seinem Beitrag.

Die gute Bewerbernachfrage in seinem Unternehmen schreibt Tilman Löffelholz, Vorstandsvorsitzender der Meissner AG aus dem hessischen Biedenkopf, ebenso der Mitarbeiterbeteiligung in seinem Hause zu. Von 300 Mitarbeitern halten rund 230 Aktien an dem 1922 gegründeten Unternehmen. „Vor allem der immaterielle Aspekt der Mitarbeiterbeteiligung, die vertrauensvolle Zusammenarbeit, wirkt sich bei uns positiv auf die Motivation der Mitarbeiter und unseren Ruf als attraktiver Arbeitgeber aus“, so Löffelholz.

Mitarbeiterbeteiligung statt Fachkräftemangel, so lautet daher auch die Devise der Globus SB-Warenhaus Holding GmbH & Co. KG aus dem saarländischen St. Wendel. Das Handelsunternehmen hat mehr als 50 % der Mitarbeiter am Unternehmen beteiligt und wurde auf der Jahrestagung für seine partnerschaftliche Unternehmenskultur und sein beispielhaftes Mitarbeiterbeteiligungsprogramm mit den „AGP Sternen 2015“ ausgezeichnet. „Was wir aus der Erfahrung heraus feststellen können, ist, dass das Interesse unserer Mitarbeiter an ihrer Arbeit und die Bindung an das Unternehmen deutlich höher sind, wenn sie an diesem auch materiell beteiligt sind“, erklärte Olaf Schomaker, Geschäftsführer Mitarbeiter, IT und Controlling bei Globus SB-Warenhaus, anlässlich der Preisverleihung.

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Bundesverband Mitarbeiterbeteiligung - AGP